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Sep 29, 2007

Kongress schwarzer Europäerinnen: "Wir wollen uns vorwärts bewegen"

Von 27. bis 29. September tagt der erste EU-Kongress schwarzer Frauen in Wien - mit brisanten Diskussionen

"Diese Frauen sind Akademikerinnen, und sie sind von ihren Ehemännern abhängig – und das in Zeiten der Emanzipation", kritisiert Beatrice Achaleke, Obfrau der österreichischen Schwarze Frauen Community und Initiatorin des ersten EU-Kongresses schwarzer Frauen, der bis Samstag unter der Schirmherrschaft von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer in Wien tagt.

Überqualifiziert
Achaleke spricht von Afrikanerinnen, die vielfach hoch qualifiziert nach Europa kommen, hier aber erleben müssen, dass ihre Bildung nicht geschätzt wird – und, im Falle Österreichs, noch tragischer: Dass die einzige "geregelte" Arbeit, der sie als Asylwerberinnen nachgehen dürfen, die Prostitution ist.

"Das ist ein Problem, das so bald wie möglich gelöst werden muss", meint Eva Glawischnig, dritte Nationalratspräsidentin, und erntet dafür Zustimmung von Gabriele Heinisch-Hosek, die dem parlamentarischen Gleichbehandlungsausschuss vorsteht: "Asylwerberinnen müssen legal hier arbeiten dürfen", fordert Heinisch-Hosek, und stellt sich damit gegen die Linie ihrer Partei (SPÖ).

"Wir sind unsichtbar"
Die Anliegen der rund 120 Delegierten aus 20 Staaten gehen jedoch weit über die Asylproblematik hinaus: "Wir wollen uns vorwärts bewegen, an allem teilnehmen, wir wollen uns politisch engagieren", fordert Achaleke – und Mitdiskutantin Ama Mazama, Professorin für Black Studies an der Temple University in Philadelphia, zählt auf, was die schwarzen Frauen daran hindert: "Erstens sind wir unsichtbar", sagt sie, und zeigt auf die Wände des Pressezentrums im Parlament, wo künstlerische Porträts weißer Frauen prangen. "Zweitens sind wir eben Frauen, und werden somit als sexuelle Objekte definiert", fährt sie fort.

"Und drittens haben wir Kinder zu erziehen – in einer Gesellschaft, die ihnen feindlich gesinnt ist." Mazama weiß, wovon sie spricht. Bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder hat sie Konsequenzen gezogen: Ihren Sohn unterrichtet sie selbst. Warum? "Schulen sind ein Abbild der Gesellschaft, und diese Gesellschaft ist rassistisch. Ich will, dass mein Sohn nicht das Gefühl bekommt, nichts wert zu sein", erklärt Mazama. Dass ihr Sohn dadurch in eine soziale Isolation geraten könnte, glaubt Mazama nicht: Zehn Prozent der schulpflichtigen Kinder in den USA würden mittlerweile zu Hause unterrichtet. Im Verein würden diese Kinder gemeinsam Kurse besuchen, dem Schulunterricht aber fern bleiben: "Wir wollen den Kindern Anfeindungen ersparen."

"Eindringling"
Dass diese nicht immer verbaler Art sein müssen, weiß Daphne Sandberg von der Schwedischen Frauenlobby ROKS zu erzählen: "Wenn ich in Wien herumlaufe, fühle ich mich nicht sicher", wundert sie sich, die den Vergleich zu anderen europäischen Städten hat: "Ich fühle mich hier irgendwie als Eindringling".

"Nur ganz wenige Beschwerden, die bei uns einlangen, kommen von schwarzen Frauen", entgegnet Heinisch-Hosek, die sich auch als "Ombudsfrau" für Rassismusopfer sieht. Achaleke, die angibt, selbst mehrmals Opfer rassistischer Übergriffe gewesen zu sein, glaubt, einen Grund zu kennen: "Natürlich kann ich mich damit an Sie wenden. Aber was passiert dann?" Was fehle, seien wirksame gesetzliche Sanktionen – und "Meinungsbildner, die sich öffentlich gegen Rassismus stellen." (mas, derStandard.at, 26.9.2007)

4 comments:

BRE said...

Wow. It would appear that the presentations and dialogues that took place at the Black European Women's Conference in Wien were most interesting. I am a bit surprised that the attendance was so low (ca. 120 people) as the issues that were discussed affects the lives of 100,000's if not millions of women and girls of black African descent who live in Europe today.

Were there any influential parliamentarians and/or government ministers from other European countries in attendance (other than Austria)?

Where were the German and Swiss and other EU parliamentarians who should also be working hard to better understand racial and ethnic inequality in Europa today AND be active in sponsoring civic programs and legislation via Brussels and Strasbourg to help correct these problems?

Black Women in Europe said...

Even though some of the eurocrats you mentioned were not in attendance, have no doubt that they will be made aware of the dialogue and invited to participate in implementing change.

The two women who were there from Brussels and Strausbourg have committed to meeting once back in Brussels. From there call to action should spread to all of the EU member countries.

Our Vienna Declaration (that I hope to share soon) calls for the EEA to participate as well.

We were each tasked with ensuring that the Eu representatvie in each of our countries is informed about the results of the congress. I am counting on my sisters present to be the voices of all those who could not attend and to maintain the momentum gained last weekend.

I, for one, plan to continue to report about this historic congress here and in the social network I set up for Black Women in Europe!

BRE said...

Adrianne, I am also working on a series of posts (yep, more than one) at my blog to help highlight the 1st Black European Women's Congress 2007 for my readers.

Viewpoints about this conference from a black (African-American) man may be interesting for some of the women in attendance, and then again maybe not but I am gonna write about it anyway. I've decided to open my series by throwing the gauntlet down at the feet of (some) black African men in Europe... blood and wine all over the place.

P.S. Thanks for posting essays and commentary from the conference in both English and German.

Black Women in Europe said...

It will be interesting to read what you post in your efforts to highlight the 1st Black European Women's Congress. If it is in English, please send it to me. If it is in German, I think Victoria would be interested.

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